Anja Reichard macht seit 50 Jahren bei uns Urlaub: „Wenn man da ist, überprüft man als erstes, ob alles noch so ist wie vorher“

Von Frederike Arns | Veröffentlicht 13.02.2026
Anja Reichard (54) macht seit 50 Jahren Urlaub in Ho. Die Geschichten, die sie aus einem halben Jahrhundert in unserer Gegend zu erzählen hat, sind wie ein Zeitzeuginnen-Berichte. Foto: privat

Anja Reichard (54) aus Warendorf im Münsterland liebt die Gegend um Ho und Blåvand so tief und beständig wie wohl nur ganz wenige andere deutsche Urlauber. Das erste Mal machte sie nämlich schon 1975 – mit vier Jahren – in Ho Ferien, und kommt seitdem seit beeindruckenden 50 Jahren immer wieder. Als Feriekompagniet-Kundin hat sie uns dankenswerterweise in ihrem Dänemark-Jubiläumsjahr an ihren vielen tollen Erinnerungen teilhaben lassen. In dem Text geht es um ihr Urlaubsgefühl als Kind, ihre langjährige Unterkunft in Ho, wie eine Dänemark-Reise ihr Trost nach ihrer Trennung schenkte, Freundschaften mit Dänen – und Skallingen als Anjas Seelenort.

Der Text gehört zur neuen Serie bei Feriekompagniet: „Was unsere Gäste sagen“. Wenn auch du Teil davon sein möchtest und deine ganz eigene spannende Geschichte über Blåvand zu erzählen hast, dann melde dich gern bei der Verantwortlichen Frederike Arns unter frederike@feriekompagniet.dk!

Die Geschichte beginnt mit einer schlichten Empfehlung: „In den 70ern hat der Chef meines Onkels meinen Eltern von zwei Ferienwohnungen in Ho erzählt. Wir sollten da in den Ferien doch einfach mal hinfahren“, erinnert Anja sich. Und so kam es, dass ihre Familie bei Laurids Petersen anrief, dem Besitzer von den Ferienwohnungen im Sønderballevej 4a und b. Der Startschuss für die bis heute andauernde Ho-Liebe. Ein Zufall. Durch Mundpropaganda – denn eine Unterkunft im Internet heraussuchen konnte man damals natürlich noch nicht.

Anja (l.) im Dänemark-Urlaub mit ihrer Familie – schon da hat ihr Vater den Ho-Fischerhut auf, den er noch heute besitzt. Foto: privat

Anja erzählt so lebhaft von den Abreisetagen in ihrer Kindheit, dass man den Eindruck bekommt, sie wären erst gestern gewesen: „Um 2 Uhr morgens wurden meine Schwester und ich geweckt. Unsere Kleidung lag schon parat. Zack, anziehen, Zähne putzen, ins Auto und weiterschlafen.“ Ein Dachgepäckträger kam zum Einsatz und auch der Rest des Autos war randvoll gepackt, sodass auf Rückbank und im Fußraum eine Liegefläche für die Kinder entstand. „Anschnallen war damals überhaupt noch kein Thema.“, sagt Anja. Um 6 Uhr wurden die Kinder dann langsam geweckt und es gab Frühstück im Auto – und um 8 Uhr kam die Familie schon in Ho an. Anjas Eltern bekamen zur Begrüßung dann immer einen Aquavit von Laurids Petersen. „Nur einen lille, hat er immer gesagt“ – daran erinnert sich Anja noch genau.

Kinder unangeschnallt auf Matratzen auf der Rückbank: So ist man in den 1970ern in Urlaub gefahren

Von 1975 bis 1986 machte die Familie jeden Sommer drei Wochen bei Laurids Petersen Urlaub – oft kamen auch Onkel und Tante mit den zwei Cousinen in die andere Wohnung dazu. Die Kinder verlebten dort immer eine herrliche Zeit – ohne Fernseher und Schnickschnack, trotzdem glücklich: „Die 44-Quadratmeter-Wohnung war spartanisch, hatte dennoch alles, was man brauchte“, sagt Anja. „Der Preis war auch super – eine Nacht kostete 100 Dänische Kronen, das entsprach damals 27 Deutschen Mark. Heute sind das ungefähr 13 bis 14 Euro, das muss man sich mal vorstellen!“

Der erste Urlaub im Jahr 1975. Weil der Chef des Onkels von zwei Ferienwohnungen in Ho wusste, ist die Familie dort hingefahren. Foto: privat

2016 wurde Ho für Anja auch ein echter Zufluchtsort. Sie hatte gerade ihre Trennung hinter sich und wollte einfach raus: „Ich musste unbedingt nach Ho – und, oh Zufall, es war nur noch eine Wohnung frei, die ich mir leisten konnte: Sønderballevej 4a!“ Nachdem sie in der Zwischenzeit auch in anderen Unterkünften gewohnt hatte, war sie nach 30 Jahren wieder bei Pedersen – und es war fast noch so eingerichtet wie früher: „Der Küchentisch wurde wie früher wieder vor das Fenster geschoben, damit man in die Ho-Bucht und nach Esbjerg gucken konnte. Ich habe sofort Videos von den Zimmern gemacht und sie meiner Schwester geschickt. Sogar ins viel zu kleine Stockbett im Kinderzimmer habe ich mich noch mal gelegt, um auszuprobieren, ob ich das Gefühl aus der Kindheit zurückholen kann. Das hat mich in dieser speziellen Lebenssituation sehr glücklich gemacht!“

Eine Erinnerung, die heute nicht mehr da ist: der grüne Toilettenwagen auf Skallingen. Foto: privat

Natürlich liebt Anja auch die Umgebung – am Tirpitz-Bunker turnte sie schon herum, als es das Museum noch lange nicht gab. Erlaubt war das damals nicht, aber da hat man die Dinge auch noch nicht so eng gesehen.

Anjas Lieblingsstrand: Skallingen

Den perfekten Urlaubstag verbringt sie – damals wie heute – am Strand von Skallingen. Sie kennt noch den alten grünen Toilettenwagen, der nur Wasser gepumpt hat, wenn Wind wehte: „2018 war er auf einmal weg, das fand ich sehr schade“, erinnert sie sich. „Wenn man dort wieder ankommt, guckt man grundsätzlich als erstes, ob alles noch so ist wie vorher“, sagt Anja besorgt. Jedes Mal, wenn sie da ist, läuft sie deswegen auch zur südlichen Spitze der Halbinsel – geparkt wird dann immer am alten Schäferhaus. Anja hat dort über die Jahre öfter das Auto-Verbotsschild fotografiert, um zu überprüfen, wie die Dünen immer weiter nach innen wandern. „Auf meinen verschiedenen Fotos sieht man, wie das Meer immer näherkommt. Das finde ich natürlich schrecklich, dass es sich immer mehr von meinem Lieblingsort nimmt“, sagt Anja. Sie erzählt auch von zwei Durchbrüchen, wo jetzt schon keine Dünen mehr sind. Da fließt das Wasser bei starker Flut dann durch – deswegen sind dort auch schon mal Menschen und Kühe in Gefahr geraten. Auch Anja selbst wurde mal von einer starken Flut überrascht, die die Straße überspülte und sie nicht mehr vom Strand zurückkonnte. Aber alles ist glimpflich ausgegangen: Sie hat dann einfach ein paar Stunden länger am Strand verbracht, bis sich das Wasser wieder zurückgezogen hatte.

Das Meer nimmt sich auf Skallingen immer mehr vom Land, hier gut zu sehen am versunkenen Fahrzeug-Verbotsschild. Foto: privat

Warum ist Anja eigentlich Kundin bei Feriekompagniet? „In den Häusern ist immer alles in Ordnung. Es ist immer einen Tick sauberer als bei anderen Anbietern und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt auch.“ Anja bleibt den Häusern in Ho weiterhin treu, weil es ihr in Blåvand einfach zu trubelig ist. Ein Haus am Wald im Tane Hedevej hat es ihr besonders angetan – die nächsten drei Wochen im kommenden Sommer sind selbstverständlich schon gebucht. Wenn sie dann ankommt, wird sie – wie immer – als erstes ein Foto mit ihrem Auto am Ho-Ortsschild machen, denn in der Mitte ihres deutschen Auto-Kennzeichens stehen natürlich – keine Überraschung – auch die Buchstaben „HO“.

Auf die nächsten 50 Jahre Urlaub in deiner „zweiten Heimat“, wie du sie selbst nennst, liebe Anja!